Greenkeeper Verband

Deutschland e.V.

Miteinander und voneinander lernen

Rasenpflege-Übereinstimmung und -Unterschiede Stadion – Golfplatz

 

 

Baden-Württembergischer Greenkeeperverband e.V.

Miteinander und voneinander lernen

 

Der Nebeneingang zur Mercedes Benz Arena in Stuttgart, keine Golfanlage wie gewohnt, war Anfang November Treffpunkt für die Teilnehmer der Herbsttagung des Baden-Württembergischen Greenkeeper Verbandes. Zum Auftakt der Veranstaltung war eine VIP-Stadiontour angesetzt. 68 Greenkeeper und Vertreter aus der Sportrasenbranche wollten es sich nicht nehmen lassen, einen Einblick in die Welt eines Fußballstadions zu bekommen. In zwei Gruppen ging es durch die sechstgrößte Fußballarena Deutschlands. Als Multifunktionsarena genutzt, sogar die viertgrößte! So waren viele beeindruckt über die Infrastruktur, mit dem Gang durch die Katakomben mit den Kabinen, Presse- und Mediaräumen, sowie den Logen, wo zu Beginn bereits ein Glas Sekt auf die Teilnehmer wartete.

 

Rasenpflege-Übereinstimmung und -Unterschiede Stadion – Golfplatz

 

Nach dem Rundgang durch die Arena an sich, wartete auf alle aber eine exklusive Führung durch den Bereich, welcher sonst bei Führungen außen vor bleibt: Das Greenkeeping und der heilige Rasen!

 

Ralf Wagner, verantwortlicher Stadion-Greenkeeper führte durch den Maschinenfuhrpark – ohne große Überraschungen, da von den Golfanlagen her bekannt. Unterschiede zum Golfplatz gab es aber dennoch mehr als genug: Gehört hatten alle schon davon, aber die Menge und der praktische Einsatz der „Beleuchtungseinheiten“ beeindruckte doch die meisten Kollegen.

 

Auf dem „Rasen“ erläuterte Ralf Wagner zusammen mit Dr. Harald Nonn einiges über die Abläufe der Rasenpflege und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Der Rasen wird in Stuttgart im Jahresverlauf mindestens einmal erneuert – der Wechsel in der Sommerspielpause. Da in Stuttgart aber nach der Fußballsaison große Konzerte stattfinden, wird der Zeitraum zum Wechseln des Rasens extrem klein. Der Wechsel dauert in der Regel nur 2-3 Tage“! Doch wenige Tage nach Verlegung des neuen Rasens wird dieser sofort wieder fußballerisch genutzt.

 

Am 2. Tag der Herbsttagung trafen sich die Teilnehmer in Lorch im Hotel am Muckensee. Auf der Agenda stand die Fortsetzung zum Thema Stadion-Greenkeeping. Dr. Harald Nonn, Mitglied der Expertenkommision Rasen der Deutschen Fußball Liga (DFL), präsentierte eindrucksvoll, welchen Voraussetzungen ein Stadionrasen gerecht werden muss. Es gibt vereinheitlichte Messmethoden, um den Zustand des Bodenaufbaus und die Qualität des Rasens zu protokollieren. Der jeweilige Greenkeeper kann (und muss) diese Messungen selbst durchführen. Dies hilft dem Greenkeeper bei seiner Arbeit, die richtigen Entscheidungen über den Zeitpunkt und die Durchführung von Pflegearbeiten zu treffen. Zum Erreichen dieser Ziele werden Maßnahmen ergriffen, welche die meisten Greenkeeper kennen: aerifizieren, besanden, tiefenlockern, düngen, Verwendung von Bodenhilfsstoffen und Pflanzenhilfsmitteln sind u.a. die allseits bekannten. Doch die große Herausforderung im Stadion, gegenüber zum Freiland, ergibt sich daraus, dass die Wachstumsfaktoren Licht, Luft und Wasser, in Form von natürlichem Niederschlag, nicht ausreichend vorhanden sind, und daher künstlich hinzugefügt werden müssen. Die Bandbreite und den zeitliche sowie finanziellen Aufwand dieser Tätigkeiten sprach Dr. Nonn ebenso an wie die unterschiedlichen Arten von Bodenaufbauten, die verwendet werden, um einen Stadionrasen der Bundesliga gerecht zu machen.

 

Ralf Wagner knüpfte dann nahtlos an und ergänzte das am Vortag im Stadion angesprochene und das von Dr. Nonn in seinem Vortrag Erläuterte mit vielen Bildern. Die Arena in Stuttgart hat mit ihren flacheren Rängen, dem offenen Dach und den 4 „Kopflöchern“ noch den Vorteil, dass die Windbewegung und der Lichteinfall im Vergleich zu anderen Bundesliga-Stadien und Arenen besser ist. Es muss keine künstliche Luftbewegung erzeugt werden. Belichten muss man den Rasen trotzdem, vor allem in der dunkleren Jahreszeit. Im Sommer Konzerte, wenn am 12. Dezember Formel 1-Rennwagen auf einer auf dem Rasen erstellten Asphalt-Rennstrecke ihre Kurven ziehen oder am 16. Dezember, vier Tage später, der VfB ein DFB-Pokalspiel bestreitet, all diese Termine stellen den Stadion-Greenkeeper immer wieder vor neue Herausforderungen.

 

Nach den Vorträgen und vor dem Mittagessen war noch Zeit, auf dem Parkplatz des Hotels die Neuentwicklungen der Golfplatz-Pflegemaschinenhersteller in Augenschein zu nehmen. Die Entwicklung bezüglich Elektroantrieb und Energieeinsparung macht natürlich auch vor der Rasenpflegebranche nicht halt. John Deere, Ransomes-Jacobsen und Toro präsentierten jeweils ihre neuesten Grüns-Mäher mit neuem Antriebskonzept oder neuer Steuerung.

 

Auf gewohntem Terrain: Besichtigung des GC Hetzenhof

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen bestand die Möglichkeit zur Besichtigung des Golfclubs Hetzenhof, eine 27 + 6 Loch Golfanlage direkt in der Nähe des Hotels. Am Fuße des Kaiserberges Hohenstaufen und somit kurz vor der Schwäbischen Alb gelegen. Ein großer Teil der Teilnehmer nutzte die Möglichkeit zur Platzbesichtigung, geführt durch Head-Greenkeeper Wolfgang Mayer. Um die Interessanten Ecken (Umbauten und Problemstellen) des Platzes zu erkunden, wurden für die Besichtigung Golf-Buggies zur Verfügung gestellt. Wolfgang Mayer führte die Gäste über die Anlage und erläuterte die Schwierigkeiten und Herausforderungen mit dem Gelände und der Anlage.

 

Unser Dank gebührt Ralf Wagner für die Offenheit, Unterstützung und die Möglichkeit des Besuches im Stadion, Dr. Harald Nonn für den fachlichen Einblick in die Welt innerhalb der Ränge, und Wolfgang Mayer für die Unterstützung bei der Wahl der Location und der Möglichkeit zur Platzbesichtigung. Nicht zu vergessen den finanziell unterstützenden Firmen: Vielen Dank!

 

Fazit

 

So ähnlich die Arbeitsbereiche Fußball und Golf auch sind, so unterschiedlich sind die Voraussetzungen und die Umsetzung. Jeder in der Branche hat seine eigene Herausforderung zu meistern und es schadet nicht, voneinander zu hören und zu lernen. Es gibt immer eine Problemstellung, die ein anderer schon durchlaufen hat und wobei er unterstützen kann. Man muss nur offen dafür sein.

 

Tobias Bareiß

Schriftführer

 

 

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Kein Golfplatz, die Stuttgarter Mercedes Benz Arena war Ziel der Herbsttagung 2019 des BWGKV.

(Alle Fotos: BWGKV)

 

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Beeindruckend: Die Einblicke in die Arbeit in einem Stadions durch den Greenkeeping-Kollegen Ralf Wagner.

 

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Wohl eine der Übereinstimmungen in der Arbeit: das VfB-Motto (hier in der Umkleide der Arena) „furchtlos und treu“ trifft gleichermaßen auf das Golf-Greenkeeping zu.

 

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Viel Interessantes wussten HGK-Kollege Ralf Wagner (knieend) und Dr. Harald Nonn (vorne) zu berichten – auf dem Platz und in der Theorie.

 

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Die Industrie-Partner des Verbandes nutzten die Pausen, Ihre Maschinen-Neuentwicklungen in der Golfplatzpflege zu präsentieren und standen für Fragen vor Ort zur Verfügung.

 

 

 

 

 

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