Greenkeeper Verband

Deutschland e.V.

GVD Jahrestagung 2016 - Kommentar von Dr. Klaus Müller-Beck

Aktuelle Thematik mit kompetenten Vortrags-Präsentationen

Bei der Ankündigung des Tagungs-Programms zur GVD-Jahrestagung in Niedernhausen, mit dem Kernthema: „Auswirkungen der klimatischen Veränderungen auf die Golfplatzpflege“, gab es sicherlich bei den GVD-Mitgliedern unterschiedliche Reaktionen. Auch bei mir als Berichterstatter kam zunächst ein zögernder Gedanke auf, aber bei näherer Betrachtung der Einzelthemen stieg die Spannung und Erwartungshaltung, sodass eine Tagungsteilnahme, auch bei einem nicht unerheblichen Kostenaufwand, für mich sinnvoll erschien.  Jetzt nach der Tagung kann ich mit voller Überzeugung feststellen, es hat sich gelohnt, diese Tage zur Weiterbildung im Kreise des Greenkeeper Verbandes Deutschland zu nutzen.

 

Klimaveränderungen sind nachweislich wirksam

Betrachtet man die Einzelreferate als Mosaiksteinchen eines komplexen Leitthemas, so ist das Konzept der Tagungsgestaltung voll aufgegangen.

Gleich mit dem Eröffnungsvortrag von Dr. Udo Busch vom DWD, wurden die Grundlagen zur Entwicklung der Klimaveränderungen erläutert. Besonders wichtig für das Greenkeeping waren aber dann die zahlreichen Hinweise auf  das Angebot von meteorologischen Daten, die seitens des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für die Praxis heute bereits zur Verfügung gestellt werden. Ein Merkblatt mit den geeigneten Internet-Adressen wurde den Tagungsteilnehmern ausgehändigt.

 

 

Auch der Golf-Spielbetrieb wird von den Wetterkapriolen immer häufiger beeinflusst. Bei seinen Ausführungen ging Alexander Klose, Vorstandsmitglied des DGV, u.a. auf die Bedeutung fachgerechter Blitzschutzhütten auf der Golfanlage ein und verwies auf das DGV-Merkblatt „Golf und Gewitter“. Für das Greenkeeping sind oft die mit Wasser gefüllten Bunker ein Problem. Dies sah A. Klose eher entspannt; denn im akuten Fall, nach einem heftigen Niederschlag, gilt Regel 25-1: Ungewöhnlich beschaffener Boden - „Zeitweises Wasser“! Die Kenntnis einiger Golfregeln kann auch für den Greenkeeper sinnvoll sein. Während der Praxiswoche in der Fortbildung werden derartige Fragen beantwortet.

 

 

 

Prognose-Modelle bieten Entscheidungshilfen

Ein verantwortungsbewusstes Pflegemanagement im Sinne des nachhaltigen Greenkeepings ist ohne aktuelle Wetterdaten kaum vorstellbar; denn zahlreiche Maßnahmen werden unmittelbar durch Temperatur oder Niederschlagsereignisse beeinflusst.

 

Die Ausführungen des Head-Greenkeepers Rainer Paus zum Hochwasser auf der Golfanlage Wasserburg Anholt machten deutlich, wie neben den Überflutungsschäden in enger Zeitabfolge Trockenschäden auf den Grüns auftreten können.

Aus der Erfahrung lernen, das konnte Günter Hinzmann mit seinen langjährigen Wetteraufzeichnungen dokumentieren. Ein engmaschiges Monitoring liefert wertvolle Daten für anstehende Entscheidungen bei der Platzentwicklung.

 

Für die Zukunft wird es immer wichtiger, mit Prognose-Programmen zu arbeiten. So konnte Dr. Michael Schlosser die wichtigsten Kenndaten für zielgerichtete Wachstumsprognosen am Beispiel von „Marc Hunt‘s Weatherblog“ vorstellen und erläutern. „Growing Degree Days“ GDD und „Growing Potential“ GP waren hier die Schlüsselbegriffe mit denen der Greenkeeper die Wachstumsbedingungen vorausberechnen kann, um sich so auf einen bevorstehenden Schädlingsbefall, oder den Ausbruch einer Rasenkrankheit einstellen zu können. Interessenten finden weitere Informationen zum Thema: „Wachstumsgradtage für Prognose und Pflege von Rasengräsern“ auf der DRG-Homepage

 < http://www.rasengesellschaft.de/content/rasenthema/2016/01.php >

 

Auf veränderte Flug- und Fraßzeiten bei der Entwicklung von Schadinsekten konnte Michael Barth bei seinen Ausführungen zu der Generationsabfolge von Käfern und Faltern hinweisen. Gerade bei der biologischen Bekämpfung mit parasitierenden Nematoden kommt es darauf an, das richtige Zeitfenster bei den Engerlingen für eine erfolgreiche Behandlung einzuhalten. Anwendungstermine verschieben sich durch Klimaveränderungen.

 

Auch die Verbreitung von Zecken wird durch Temperaturveränderungen beeinflusst. Dies sollten Golfer aber auch die Greenkeeper bei ihren „Ausflügen“ in die Randzonen der Golfanlagen berücksichtigen. Dr. Sharon Page stellte erste Ergebnisse aus der Studie auf dem Golfplatz Augsburg zum Artenspektrum der vorkommenden Zecken und zur Verbreitung mit Gefährdungspotenzial vor. Entsprechende Vorsicht ist geboten. So sind die bei der Tagung verteilten Dateien „Zecken-Betriebsanweisung“ und „Zecken-Info-Broschüre“ sicherlich ein wertvolles Hilfsmittel zur Vermeidung von gravierenden Krankheitszuständen.

 

 

 

Anregungen für die Praxis

Alle Vorträge hatten einen Bezug zur praktischen Pflege bzw. zur Platzentwicklung. Dies galt im Besonderen für die Hinweise von Andreas Klapproth zum Wasserhaushalt einer Golfanlage mit den Ausführungen zur Wasserbeschaffung, Wasserqualität bzw. Wasserabführung durch Dränagen.

Gute Anregungen zur geeigneten Sortenwahl für Gräser mit Hitze- und Trockenheits-Verträglichkeit gab Dr. Harald Nonn bei seinen Erläuterungen zu den physiologischen Auswirkungen bei den Gräsern durch Klimaveränderungen. Von der Nutzung der „Warm Season Gräser“ in unseren Breiten riet er allerdings ab, da die ausgeprägte Winter-Dormanz der C4-Gräser sehr rasch zu braunen Rasenflächen führen würde.

 

Gespannt lauschten die Teilnehmer den Ausführungen von Georg Schmitz, der als geprüfter Head-Greenkeeper über seine Erfahrungen bei der Pflege in der Tec-Arena in Leverkusen berichtete. Da die Erwartungen an den Fußballrasen extrem hoch sind, wird inzwischen eine Reihe von Wachstumsfaktoren künstlich beeinflusst. So gilt es, mit der Bodenheizung die Tragschicht im Winter frostfrei zu halten und den Schnee direkt abzutauen, was nicht immer gelingt. Gleichzeitig wird in der dunklen Jahreszeit der Rasen mit Vegetationsbelichtung zum Wachstum angeregt, damit während der Winterspielzeit der Rasen einen möglichst hohen Deckungsgrad erreicht. Das in dieser Zeit dann auch ein entsprechender Wasserbedarf und zusätzlicher Nährstoffbedarf entsteht, ließ manchen Zuhörer erstaunen.

Auch über Wetterkapriolen konnte G. Schmitz berichten. Bei einem wolkenbruchartigen Niederschlag während des Spiels kann der Schiedsrichter die Partie unterbrechen. Anschließend wird auf dem wassergesättigten Boden weitergespielt, das hat dann entsprechende Auswirkungen auf den Bestand! Am Ende waren sich alle Tagungsteilnehmer darüber einig: „Einfach ist die Pflege des Stadionrasens nicht“!

Mit diesem gelungenen Vortrag aus der Praxis wurde ein breites Spektrum der Rasenpflege abgedeckt und sorgte so bei den Greenkeepern zum Nachdenken und Nachfragen.

 

Fazit

Das vermeintlich eher von Zahlen geprägte und wenig aufregende Kernthema „Klimawandel und Rasen“ entwickelte sich zu einer spannenden Vortrags- und Diskussionsrunde mit allen Beteiligten. Das macht Mut für weitere Veranstaltungen in dieser Art. Es hat Freude bereitet, dass die Vortrags-Themen am Ende alle gemeinsam ein breit angelegtes Bild von den möglichen Auswirkungen des Klimawandels vermittelt haben.

Beim einfachen Lesen des Programms konnte man das nicht unbedingt erwarten.

Wie heißt es so treffend:

 „Wer sich nicht bewegt hat verloren, man muss "nur" hinfahren und mitmachen“!

 

Ein Kompliment an alle organisatorisch beteiligten Kollegen!

Danke für das tolle Tagungsangebot des Greenkeeper Verbandes Deutschland e.V..

 

 

Autor

Dr. Klaus G. Müller-Beck,

Ehrenmitglied Greenkeeper Verband Deutschland e.V.

48231 Warendorf

E-Mail: klaus.mueller-beck (at) t-online.de

 

 

 

Abb.1: Fachgespräche an den Ständen der Industrievertreter während der ausgiebigen Tagungspausen. Foto: Dr. Klaus Müller-Beck

Abb.2: Aufmerksame Tagungsteilnehmer am ersten Seminartag bei der GVD-Jahrestagung 2016 in Niedernhausen. Foto: Dr. Klaus Müller-Beck

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