Fachinformationen
Tempolimit für Golfplätze?
Schnell, schneller, am schnellsten, oder brauchen wir ein Tempolimit für Golfplätze?
Gehören Sie eher zu den gemütlichen Autofahrern oder gehen Sie gerne mal ans Limit? Die meisten
Automobilhersteller haben sich als Selbstverpfl ichtung ein Geschwindigkeitslimit von 250 km/h auferlegt.
Jetzt lässt sich natürlich vortreffl ich darüber streiten ob so etwas Sinn macht oder nicht.
Schließlich gibt man ja nicht umsonst soviel Geld für seinen neuen Wagen aus, oder? Vermutlich
haben aber auch noch andere Kriterien wie Komfort, Zuverlässigkeit, geringe Werkstattkosten bzw. geringer
Wertverlust eine Rolle bei der Auswahl Ihres fahrbaren Untersatzes gespielt.
Jetzt werden Sie sich sicher die Frage stellen, was hat das mit einem Golfplatz zu tun? Auch hier haben wir einen „Untersatz“ oder
fachlich richtiger einen Unterbau. Unter den Grüns befinden sich bei unseren modernen Golfplätzen verschiedene
Schichten aus unterschiedlichen, in der Regel natürlichen Materialien, wie Sie in der Natur in dieser Kombination
aber nicht vorkommen. Man spricht deshalb von künstlichen Aufbauten.
Dieser Unterbau ist zunächst einmal die Grundvoraussetzung für ein gutes Grün. Wird jetzt noch
der richtige „Motor“ sprich die richtige Gräserart bzw. Gräsersorte dazu ausgesucht, kann
der Greenkeeper ins Rennen gehen und die Geschwindigkeit seiner Grüns ausloten.
Immer häufi ger wird diese „Grünsgeschwindigkeit“, sprich wie weit rollt der Golfball unter defi nierten Bedingungen, als wichtiges Kriterium für die Grünsqualität herangezogen. Die „Grünsgeschwindigkeit“ oder richtiger die Ball-Lauflänge wird mit genormten Geräten, so genannten Stimpmeter oder Pelzmeter, gemessen. Je nach Ball-Lauflänge werden die Grüns in einer der fünf Klassen – langsam, mittellangsam, mittel, mittelschnell, schnell – eingeteilt. Dabei wird zusätzlich berücksichtigt, ob die Grüns auf ein Club-Turnier oder auf ein PGA-Turnier vorbereitet werden, d.h. schnell auf der Landstraße zu fahren, heißt noch nicht schnell auf dem Nürburgring zu sein.
Der Greenkeeper hat durch verschiedene Pfl egemaßnahmen - wie Topdressing oder Bügeln der Grüns - die Möglichkeit, seine Grüns in einem gewissen Rahmen zu „tunen“ und entsprechend schneller zu machen, verursacht aber hierdurch höhere „Werkstattkosten“. Ein „übertunen“ kann sogar zu irreparablen Schäden an den Grüns und damit zu einem Wertverlust führen. Des Weiteren ist der Greenkeper an gewisse Rahmenbedingungen bzw. Vorrausetzungen gebunden. Nicht umsonst fahren beim Porsche-Cup keine VW Golfs mit und seien sie noch so optimal vorbereitet und getrimmt. Daher macht es auch nur bedingt Sinn, die Ball-Lauflängen verschiedener Golfanlagen untereinander zu vergleichen. Auch das Puttergebnis ist bei den meisten Golfern nicht von der „Grünsgeschwindigkeit“ abhängig, sondern wie sie sich auf die jeweilige Situation einstellen. Im Übrigen werden nur von Ausnahmegolfern Unterschiede in den Ball-Lauflängen von 15 cm und weniger wahrgenommen. Selbst die Erhöhung um 30 cm Ball-Lauflänge wird von den meisten Golfern nur bemerkt, wenn die Grüns vorher „langsam“ waren.
Ein generelles Tempolimit für Golfplätze wäre sicher etwas weit hergeholt, dennoch ist die „Endgeschwindigkeit“ der Grüns als alleiniges Qualitäts-Kriterium nicht ausschlaggebend. Eine gleich bleibend gute Durchschnittsgeschwindigkeit, sprich gute Puttqualität auf allen Grüns das ganze Jahr über, bringt einen wie beim konstanten Autofahren besser und entspannter ans Ziel und verursacht meist auch geringere Pfl egekosten.
Sehen Sie unterschiedlich hohe „Grünsgeschwindigkeiten“ auf den verschiedenen Golfanlagen als eine Herausforderung an und nicht als Handicap.
Stimpmetermessung
Was bedeutet „schnelle Grüns“ und wodurch wird die Ball-Lauflänge beeinflusst?
Schon 1937 hat ein gewisser Eddie Stimpson das nach ihm benannte Stimpmeter erfunden, welches Ende der 80er vom amerikanischen Golfverband (USGA) überarbeitet und als offi zielles Messinstrument anerkannt wurde. Ursprünglich war das Gerät dazu gedacht, unterschiedliche Grünsqualitäten innerhalb einer Golfanlage aufzudecken und durch geeignete Maßnahmen auszugleichen. Inzwischen wird häufi girrtümlicher Weise die "Grünsgeschwindigkeit“ als alleiniger Maßstab für die Grüns- oder gar Golfplatzqualität herangezogen.
Richtwerte nach Angaben der USGA
Grünsgeschwindigkeit |
Club-Wettspiele |
PGA-Turnier |
schnell |
259 cm | 8' 6'' |
320 cm | 10' 6'' |
mittelschnell |
229 cm | 7' 6'' |
290 cm | 9' 6'' |
mittel |
198 cm | 6' 6'' |
259 cm | 8' 6'' |
mittellangsam |
168 cm | 5' 6'' |
229 cm | 7' 6'' |
langsam |
137 cm | 4' 6'' |
198 cm | 6' 6'' |
Die USGA weist ausdrücklich darauf hin, dass folgende 5 wichtige Kriterien bei der Planung bzw. Einstufung
der Schnelligkeit der
Grüns berücksichtigt werden sollten:
- Rasenzustand (Bestandesdichte, Gräserzusammensetzung, Nährstoffversorgung, etc.)
- Etat für die Golfplatzpfl ege (Welche fi nanziellen Mittel stehen zur Verfügung)
- Umweltbedingungen (Feuchtegehalt der Oberfl äche, Pfl egeintensität, etc.)
- Spielstärke der Golfer (Vorgabenklasse der Mehrzahl der Spieler)
- Design der Grüns (eben/fl ache oder ondulierte, stark modellierte Grüns)
Einflußfaktoren auf die Messergebnisse
- Messfehler (Messzeitpunkt, Anwenderfehler, falsche Flächenwahl, keine Wiederholungen, etc.)
- Witterungsbedingungen (Regen, Tau, Wind, Temperatur, Tageszeit, etc.).
- Grasarten/-sorten/Deckungsgrad.
- Fremdarten/Rasenschäden/Rasenfi lzbildung.
Pflegemaßnahmen:
- Schnitthäufi gkeit/-höhe/-qualität.
- Mähertyp/Zusatzausrüstungen (Groomer,Rollen, Bürsten, Kämme, etc.)
- Bewässerungsmethoden (Häufigkeit, Menge, Zeitpunkt).
- Düngungsregime (Häufigkeit, Menge, Zeitpunkt, Düngerform/-art).
- Aerifi zieren, Vertikutieren, Schlitzen/Spiken, Topdressen etc. (Häufigkeit, Intensität, etc.).
- Einsatzhäufi gkeit und Gewicht/Vibration eines Smooth-Roller („Grüns-Bügelmaschine“).
Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Erhöhung der Grünsgeschwindigkeit, - z.B. durch Absenken der Schnitthöhe oder „Aushungern“ der Grüns - zusätzlichen Stress für die Grüns bedeutet und/oder zusätzliche direkte (Zusatzmaßnahmen) oder indirekte Kosten (Regenerations- und Renovationsmaßnahmen) verursacht. Nicht selten wird eine nicht standortgemäße Grünsgeschwindigkeit mit der negativen Entwicklung (Veralgung und Vermoosung) der Grüns bezahlt.


